Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Ablage


 Buchpräsentation „Jüdisches Brandenburg“ im Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

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Am Donnerstag, den 22. Mai um 15.00 Uhr wird das Buch „Jüdisches Brandenburg : Geschichte und Gegenwart“ im Vortragsraum des Frankfurter Stadtarchivs, Collegienstraße 8-9 vorgestellt.

An den Steinwänden des „Tals der Gemeinden“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem sind auch die Namen der jüdischen Gemeinden der Mark eingraviert. Diese Gemeinden, deren Mitglieder großen Anteil an der Geschichte der Mark hatten, wurden während der NS-Zeit vernichtet. In der Mark lebten 1945 nur noch wenige Juden. Weder in Frankfurt noch anderswo in der Mark begründeten sich danach neue Gemeinden. Wer in der Zeit der DDR eine Synagoge besuchen wollte, musste nach Berlin oder Dresden fahren. Das Land Brandenburg war bei seiner Gründung das einzige neue Bundesland, in dem keine jüdischen Gemeindestrukturen existierten. In dreizehn ortbezogene Kapiteln zeichnen die Autorinnen und Autoren im Buch die Entstehung ausgewählter Synagogengemeinden nach – vom 13. Jahrhundert bis in die Zeit nach 1933, als das traditionsreiche jüdische Leben in Brandenburg nahezu ausgelöscht wurde. Diese Ortskapitel werden durch 17 Essays ergänzt, in denen bedeutende, ortsübergreifende Themen behandelt werden. Sie belegen die Vielfalt und Bedeutung des Lebens und Wirkens der Juden im Brandenburgischen. So zeichnet ein Essay den Neuaufbau jüdischen Gemeindelebens in Brandenburg ab 1991 nach, anderes Essays verdeutlichen Moses Mendelssohns Weg von Dessau nach Berlin, stellen jüdische Unternehmerfamilien und ihre Güter im südlichen Brandenburg vor, widmen sich dem Wirken von Persönlichkeiten wie Kurt Tucholsky (Rheinsberg) oder Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (Börnicke).
Für Frankfurt (Oder) ist die Geschichte der jüdischen Bewohner so bedeutsam wie für kaum einen anderen Ort Brandenburgs. Hier, wo schon bald nach der Stadtrechtsverleihung jüdische Einwohner lebten, existierte bis zu ihrer Vernichtung eine der größten Gemeinden der Mark. Eine Urkunde von 1294 gehört zu den ältesten schriftlichen Belegen jüdischen Lebens in der Mark. Ihr Friedhof rechts der Oder gehört zu den ältesten Friedhöfen Mitteleuropas. Die bedeutende Geschichte von Frankfurt als die Messestadt Brandenburg-Preußens wäre ohne jüdisches Wirken nicht denkbar. Es ist Teil der Frankfurter Universitätsgeschichte – hier an der Oder wurden die ersten jüdischen Studenten an einer deutschen Universität immatrikuliert und promoviert. Die hiesige hebräische Druckerei versorgte die jüdische Bevölkerung eines Teils von Mittel- und Osteuropa mit den notwendigen Druckerzeugnissen. Frankfurt ist deshalb gleich mit drei Beiträgen im Band vertreten. Das umfängliche Ortskapitel schrieb Prof. Dr. Brigitte Meier von der Europa-Universität, die beiden Essays zu den „Jüdischen Studenten an der Viadrina“ und dem „Hebräischen Buchdruck“ erarbeitete der Leiter des Frankfurter Stadtarchivs, Dipl.-Archivar Ralf-Rüdiger Targiel. Die Autoren haben durch umfängliche Archivrecherchen neue Forschungsergebnisse gewonnen, die in den Beiträgen erstmals veröffentlicht werden.
Der von der Herausgeberin Dr. Irene A. Diekmann (Stellv. Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrum an der Universität Potsdam) in Gemeinschaft mit den anderen 27 Autorinnen und Autoren in mehrjähriger Arbeit geschaffene Band ist nicht zuletzt auch durch die ausführlichen Anmerkungen, die anschauliche Illustrierung mit ausgewählten – z. T. erstmalig veröffentlichten – Abbildungen, der übergreifenden Chronologie zur brandenburgischen und jüdischen Geschichte, Register sowie einem Glossar jüdischer Begriffe ein unentbehrliches Nachschlagewerk.

Bei der gemeinsam vom Moses Mendelssohn Zentrum, dem Verlag für Berlin-Brandenburg und der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) durchgeführten Buchpräsentation wird Dr. Irene A. Diekmann zum Gesamtprojekt sprechen. Anschließend werden die Frankfurter Autoren Prof. Dr. Brigitte Meier und Dipl.-Archivar Ralf-Rüdiger Targiel ihre Beiträge aus dem Buch vorstellen.

Zum Anlass der Buchvorstellung zeigt das Stadtarchiv aus dem Archivbestand einige Quellen zur jüdischen Geschichte sowie Frankfurter Druckwerke im Original, darunter den ältesten hebräischen Druck Brandenburgs.

Zum Buch:
Dr. Irene A. Diekmann (Herausgeberin)
Jüdisches Brandenburg : Geschichte und Gegenwart
Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008
Format 16,7 x 22,4 cm, Hardcover
688 Seiten mit 341 Abbildungen
ISBN 978-3-86650-093-8
€ 29,95

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