Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Bestandsübersicht


Beständeabteilung I
Städtisches und nichtstädtisches Archivgut bis 1945


Städtisches Archivgut

I.1. Magistrat der Stadt / Stadtverwaltung / Stadtverordnetenversammlung

In diesem heute noch 553 Originalurkunden und fast 690 Regalmetern Amtsbücher und Akten umfassenden Bestand befindet sich die gesamte Überlieferung, die aus der Tätigkeit des Rates von 1253 bis 1945 überliefert ist. Der gesamte Bestand ist bei der notwendigen Neuverzeichnung nach 1953 in 24 Hauptgruppen untergliedert und widerspiegelt den besonderen Stand, welche die Stadt Frankfurt (Oder) einst als Handels- und Hansestadt sowie als Universitätsstadt und Zentrum eines Regierungsbezirkes hatte. Von besonderer Bedeutung sind die drei Stadtbücher aus den Jahren 1425, 1516 und 1584 sowie die 109 Bände umfassende Reihe der Ratsprotokolle von 1483 bis 1811. Bei dem Teilbestand Standesamt wurde auf die Trennung zwischen vor und nach 1945 verzichtet und vollständig diese Beständeabteilung zugeordnet.

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Ältestes Stadtbuch von 1425

Buchmalerei aus dem Stadtbuch von 1516
Repro W. Mausolf

Register von der Erhebung der sog. Türkensteuer, 1567
Repro M. Fricke

Nichtstädtisches Archivgut

I.2. Gewandschneiderinnung / Kaufmannschaft

Die Gewandschneider, deren Gilde in Frankfurt erstmalig 1301 erwähnt wird, beherrschten als Großhändler den gesamten Niederlagshandel. Die sich zusammengeschlossenen Tuch- und Seidenhändler lenkten auf Grund ihrer starken ökonomischen Position lange Zeit die Geschicke der Stadt. Der Bestand umfaßt trotz Verluste 1945 den gesamten Zeitraum von 1301 bis zur Auflösung der Gilde 1820.

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Urkunde 1368, 20. Okt. Bischof Peter von Lebus bestätigt markgräfliche Urkunden vom 19. Mai 1335 und vom 3. Juli 1353 über Erwerbungen von Zollhebungen durch die Gewandschneider zu einem Altar für St. Marien.
Repro M.Fricke

Der bis in das 16. Jahrhundert zurückreichende Bestand der Vereinigten Kaufmannschaft wurde 1891 an das Stadtarchiv abgegeben.

I.3. Handwerk / Innungen

Grundlage des Lebens in der Stadt war das Handwerk. Während die sog. Viergewerke (Bäcker, Fleischer, Schuster, Tuchmacher) schon im 13. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen sind, bildeten sich die anderen Innungen besonders im 16. und 17. Jahrhundert. Das Stadtarchiv verwahrt 48 Handwerksbestände, von den Badern bis zu den Zimmerleuten. Jede Innung, wenn auch nur gering überliefert, bildet einen Bestand. Wegen dem Fischreichtum der Oder bildeten sich in Frankfurt sogar drei Fischerinnungen, von denen die Fischerinnung der Gubener Vorstadt, deren Schriftgut 1968 an das Stadtarchiv gelangte, besonders gut überliefert ist.

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Register der Fischer-Innung der Gubener-Vorstadt,
1630 ff.

I.4. Schützengilde

Die Schützengilde, Frankfurt älteste Vereinigung, wurde wahrscheinlich schon Mitte des 14. Jahrhunderts begründet. Die Gilde besaß ein eigenes Schützenhaus, welches zuerst in der Gubener Vorstadt, dann in der Dammvorstadt lag. Der überlieferte Bestand der bis 1945 existierenden Gilde reicht von 1645 bis 1942.

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Einladung nach Frankfurt 1904,  aus den Akten der Schützengilde

I.5. Vereine

Von der einst großen Zahl der Vereine (1922 - 348 Vereine) sind nur wenige mit ihrem Archivgut überliefert. Die Vereine spielten eine große Rolle im städtischen Leben, waren Träger der städtischen Wohlfahrtspflege, der Kultur, des Sports, vereinten Angehörige bestimmter Berufe u.v.a.m. Von den 10 überlieferten Vereinen sind besonders die 1815 begründete Städtische Singakademie und der 1860 gegründete Historische Verein hervorzuheben. 

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Abschrift eines Stückes von Leonardo Leo,
Komponist und Kapellmeister des Konservatoriums zu Neapel (1694-1744), Geschenk an die Singakademie.
Repro M.Fricke

Einladung zur Gründungsversammlung des Historischen Vereins am 4. Dez. 1860

I.6. Geistliche Institutionen

Die Bestände der Marienkirche, Getraudkirche, Kaland und der anderen geistlichen Institutionen bilden je einen eigenen Bestand.

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Urkunde 1312, 1. Mai.
Der Pfarrer zu Frankfurt bekundet die von Thomas Hokemann vorgenommene Stiftung von zwei Altären in St. Marien und dem Siechenhaus unter Bestätigung des Bischofs von Lebus.
Repro M.Fricke

I.7. Einzelne Firmen

Reste von Archiven Frankfurter Unternehmen. Darunter besonders wichtig für die stadtgeschichtliche Forschung die Bestände der "Frankfurter Elektrizitätswerke GmbH" (F.E.W.), an der die Stadt seit 1922 zur Hälfte beteiligt war, sowie die 1815 nach Frankfurt übergesiedelte Hofbuchdruckerei und Verlag Trowitzsch & Sohn, Herausgeber der bis 1945 erschienenen "Frankfurter Oder-Zeitung" (vgl. III.3) und H. Jungclaussen G.m.b.H.

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Im Nachlass Trowitzsch - Vertrag zum Verkauf des Buchdruckerprivilegs von Hof-Buchdrucker Hübner zu Cüstrin an Carl Gottlob Trowitzsch, Dez. 1779.
Repro M.Fricke

I.8. Vorwerk Francke

Rest des einstigen Lebuser Vorstadtarchivs

I.9. Eingemeindete Dörfer / Dorf Rosengarten / Hohenwalde / Lossow / Booßen (vgl.II.2)

Im September 1945 wurden 11 Gemeinden aus dem Kreis Lebus in den Verwaltungsbereich der Stadt eingegliedert. Knapp zwei Jahre später wurde Lossow, das später wieder eingemeindet werden sollte, Brieskow-Finkenheerd, Ober- und Unterlindow, Weißenspring und Schlaubehammer wieder ausgegliedert. Der Stadtkreis bildete sich 1947 unter der Eingemeindung der verbliebenen Dörfer Kliestow, Rosengarten/ Pagram, Lichtenberg, Markendorf und Güldendorf. 1973 kamen noch die Gemeinden Hohenwalde, Lossow und Booßen hinzu. Während von den Dörfern Rosengarten und Booßen eine relativ gute Überlieferung besteht, ist von den anderen eingemeindeten Dörfer nur sehr wenig Schriftgut bis 1945 überliefert. 

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Aus dem Protokollbuch der Gemeinde -Versammlung der Dorfgemeinde Rosengarten, Sitzung 8. Nov.1881

I.10. Nachlässe

Das Stadtarchiv bewahrt 87 Nachlässe und Nachlassteile von Persönlichkeiten aus allen Bereichen des städtischen Lebens. Darunter befindet sich als Dauerleihgabe der Familie auch der Nachlass von Georg Richter (1853-1925), Oberbürgermeister von 1903 bis 1917. 

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Urkunde über das verliehene Ehrenbürgerrecht an Georg Richter, 1917. Dauerleihgabe der Familie Gudewill, Starnberg). 
Repro M.Fricke