Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Beständeübersicht

Das Stadtarchiv Frankfurt (Oder) verwahrt rund 700 Urkunden, 1.300 Regalmeter Amtsbücher und Akten, 17.000 Bücher, 100 Zeitungstitel, 2.800 Karten und Pläne, 4.500 Plakate, 1.700 Grafiken, 250 Filme, 60.000 Fotografien und Bilder sowie 235 Autographen Frankfurter Persönlichkeiten. Das älteste Archivale ist eine um das Jahr 1000 geschätzte griechische Handschrift im sogenannten „Codex Seidelianus Novi Testamenti“, der sich im Nachlass des Frankfurter Universitätsprofessors Nikolaus Westermann (1678-1758) befindet. Die älteste überlieferte Urkunde der Stadt datiert auf den 19. November 1287. Mit ihr belehnten die brandenburgischen Markgrafen Otto und Conradt den Schulzen von Frankfurt mit dem Dorf Mahlisch.

Das Stadtarchiv wird im letzten Quartal 2019 in die Bürgerschule am Lennépark umziehen. Im Rahmen des Umzugs werden die Bestände nach neueren archivfachlichen Erkenntnissen umgelagert, verpackt und verzeichnet. In der Folge werden Tektionierung und Signierungen überarbeitet.

Überlieferungen städtischer Parlamente, Regierungs- und Verwaltungsorgane

Die amtliche Überlieferung der Stadt gliedert sich in mehrere Teilbestände. Die ältere Magistratsüberlieferung umfasst den Zeitraum von 1253 bis 1945. Dieser Teilbestand weist einige Kriegsverluste auf und konnte nur teilsweise wieder hergestellt werden. Mit 553 Urkunden, 17.210 Amtsbüchern und Akten sowie 2.036 Karten ist er noch immer sehr umfangreich und dokumentiert nach wie vor die herausragende Bedeutung, die Frankfurt als brandenburgische Handelsmetropole, als Universitäts- und Garnisonsstadt sowie als Verwaltungszentrum eines der größten preußischen Regierungsbezirke besaß. Weitere Teilbestände umfassen die Registraturschichten nach 1945. Neben den politischen Gremien und der Verwaltungspraxis einer Bezirksstadt in der DDR und eines Oberzentrums im östlichen Grenzraum der Bundesrepublik, dokumentieren diese Teilbestände auch die großen gesellschaftlichen Umbrüche, die Frankfurt nach 1945 und nach 1990 zu bewältigen hatte. Die eingemeindeten Ortschaften Rosengarten, Booßen, Hohenwalde und Lossow bilden weitere Bestände ebenso der Stadtverwaltung nachgeordnete städtische Betriebe und sozialkulturelle Einrichtungen der Daseinsfürsorge sowie städtische Beteiligungsgesellschaften.

Ältestes Stadtbuch von 1425 Buchmalerei aus dem Stadtbuch 1516.
				Reprografie: W. Mausolf Register von der Erhebung der sog. Türkensteuer 1567. Repro: M. Fricke us dem Bestand der Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte, hier: Bitte um Ausstellungstücke für die erste Ausstellung im neuen Gebäude, der ehemaligen Garnisonschule 1967

Überlieferungen von Organisationen, Vereinen und Verbänden

Das Stadtarchiv verwahrt nichtamtliche Überlieferungen von religösen, beruflichen, politischen, sozialen und kulturellen Institutionen. Darunter befindet sich unter anderem der Bestand der Gewandschneiderinnung, die als Großhändler und ökonomische Oberschicht die Stadt wirtschaftlich und politisch stark beeinflussten. Der Bestand umfasst den gesamten Zeitraum von der Gründungsphase Anfang des 14. Jahrhunderts bis zur Auflösung im Jahr 1820. Bedeutend ist ferner der bis in das 16. Jahrhundert zurückreichende Bestand der Vereinigten Kaufmannschaft. Von den seit dem Mittelalter bestehenden handwerklichen Vereinigungen waren einige wenige Urkunden und Akten mit den amtlichen Unterlagen der Stadt zusammen verzeichnet worden. Nach der Bergung in der Nachkriegskzeit wurden aus diesen Splittern eigene Provenienzbestände. Dagegen sind die erst nach dem Krieg übernommenen Unterlagen der Fischerinnung der Gubener Vorstadt und der Schützengilde vollständig überliefert, sie reichen bis in die Frühe Neuzeit zurück. Die religiösen Gemeinden der Stadt sind nur in einigen wenigen Urkunden überliefert. Unterlagen derjenigen Klöster, die nach der Reformation verstaatlicht und zum Unterhalt der Frankfurter Universität übereignet wurden, werden im Brandenburgischen Landeshauptarchiv verwahrt. Nach 1945 sind Unterlagen weiterer, in der Stadt aktiver Institutionen übernommen worden, darunter unter anderem die Betriebsberufsschule der Handelsorgansation Olga Benario, die Arbeiterwohngenossenschaft Friedensgrenze, die Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung der SED-Kreisleitung, der Bezirksverband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR, das Amateur-Film-Centrum oder der Sportverein Turbine 52.

Ältestes Stadtbuch von 1425 Register der Fischer-Innung der Gubener-Vorstadt ab 1630 Urkunde vom 1. Mai 1312. Der Pfarrer zu Frankfurt bekundet die von Thomas Hokemann vorgenommene Stiftung von zwei Altären in St. Marien und dem Siechenhaus unter Bestätigung des Bischofs von Lebus. Reprografie: M. Fricke Einladung der Schützengilde 1904

Überlieferungen privater und volkseigener Wirtschaftsbetriebe

Von den älteren Betrieben Frankfurts sind nur Reste erhalten, darunter die Frankfurter Elektrizitätswerke GmbH (F.E.W.) oder die Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn. Nach 1990 wurden von der Treuhandanstalt einzelne Unterlagen oder Teilregistraturen abgewickelter volkseigener Betriebe übernommen. Der VEB Dienstleistungskombinat oder das Heizkraftwerk Finkenherd zählen hierunter zu den umfangreicheren Beständen. Übernommen wurden zudem weitere privatwirtschaftliche Betriebe, wie Architektur- und Stadtplanungsagenturen oder der Fotografiebetrieb Fricke. Die betrieblichen Unterlagen werden ergänzt durch die Sammlung von Betriebschroniken, Festprogrammen und Fotografien des Arbeitsalltags oder besonderer betrieblicher Ereignisse.

Überlieferungen von Personen und Familien

Das Stadtarchiv verwahrt Nachlässe und Dokumentensammlungen zu Frankfurter Persönlichkeiten, darunter der Architekt W. Beringer, Rektor H. Bieder, Stadtkämmerer W. Gorsky, Oberbürgermeister F. Krause, Akademischer Zeichenlehrer H. Mühle, Violinvirtuose W. Post, Oberbürgermeister G. Richter, Reichsbankdirektor A. Ruge, Oberbürgermeister Dr. med. E. Ruge, Oberlandesgerichtspräsident Dr. E. F. Scheller, Rektor H. Trebbin. Übernommen wurden zudem schulische und berufliche Qualifikationen und Zeugnisse der Frankfurterinnen und Frankfurter von staatlichen Institutionen sowie Stammbücher etwa von Studierenden der alten Frankfurter Universität.

Archivische Sammlungen

Die Archivbibliothek ist eine Spezialbibliothek zur Stadt- und Universitätsgeschichte. Erwachsen unter anderem aus der Ratsbibliothek, der Bibliothek des Friedrichsgymnasiums und der alten Archivbibliothek umfasst sie ca. 17.000 Bände, darunter 34 Inkunabeln ab 1470. Sammlungschwerpunkte bilden frühneuzeitliche Druckwerke der von 1506 bis 1811 bestehenden Frankfurter Universität. Die Grafiksammlung wurde ab 1925 aufgebaut und enthält Holzschnitte, Kupfer- und Stahlstiche, Lithografien, Radierungen und Aquarelle mit Stadtansichten ab 1548. Rund 800 Karten und Pläne dokumentieren die bauliche und sozialtopografische Entwicklung der Stadt und der Umgebung von 1706 bis zur Gegenwart. Die Zeitungs- und Zeitschriftensammlung zählt mehr als 100 Titel, von den Gelehrtenblättern des 18. Jahrhunderts, wie die „Neue Frankfurter Gelehrten Anzeigen“, über die „Frankfurter Oder-Zeitung“ von 1811 bis 1945, bis hin zu der bestehenden „Märkischen Oderzeitung“. Während des 2. Weltkriegs ging die ältere Fotosammlung fast vollständig verloren. Sie musste neu aufgebaut werden. Mit derzeit rund 60.000 Aufnahmen bebildert sie die städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt von 1845 bis zur Gegenwart. Der Bestand wächst kontinuierlich vor allem durch die fotografische Dokumentation des Stadtumbaus. Die Filmsammlung begründet sich aus der Übernahme von 248 Filmen des ehemaligen Frankfurter Amateur-Film-Centrums von 1963 bis 1989. Sie wird stetig ergänzt durch die Sammlung von privaten und gewerblichen Filmaufnahmen. Die seit 1960 aufgebaute Plakatsammlung umfasst derzeit fast 6.000 Stück und besteht hauptsächlich aus Wahlplakaten politischer Parteien sowie aus Plakaten zu wirtschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen.

Johann Eichorn 1555 - Erstdruck des Buches vom pluderlichten Hosenteufel für Prof. theol. Andreas Musculus Frankfurter Oder-Zeitung Die Praesides des schlesischen, märkischen und preußischen (Studenten-) Kränzchens, Juni 1805 Mühlengasse beim Hochwasser im November 1930. Foto: L. Haase & Co (Foto-Fricke)