Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Wann wurde die erste Universität in Frankfurt (Oder) eröffnet und welche Bedeutung sie?

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Am 26. April 1506 öffnete in Frankfurt (Oder) eine Universität, die erste brandenburgische Landesuniversität. Sie begann mit fast 1.000 Studenten, der bis dahin höchsten Erstimmatrikulationsziffer einer deutschen Universität. In der Hoffnung auf eine humanistische Lehrstätte begann eine aufgeschlossene Jugend – unter ihnen auch der junge Ulrich von Hutten – hier mit dem Studium. Von 1506 bis 1811, dem Jahr der Schließung der Viadrina in Frankfurt, zählte sie etwa 70.000 Studenten, darunter fast 3.000 aus den östlich gelegenen Ländern. In den Universitätsmatrikel finden sich solche berühmten Namen wie Thomas Müntzer, Carl Philipp Emanuel Bach, die Gebrüder Humboldt, Samuel von Cocceji, Carl Gottlieb Svarez, Christian Thomasius und der 1777 geborene Sohn der Stadt, der Dichter Heinrich von Kleist. In Frankfurt lehrte der bedeutende Renaissancegelehrte Jodocus Willich, Schöpfer des ersten bürgerlichen Musikkollegiums, dem die Universität den Ruf verdankte, zu den ersten deutschen Universitäten zu gehören, an der die Schriften des griechischen Arztes Hippokrates gelesen wurden. Philipp Melanchthon, der „Lehrmeister Deutschlands“ beriet den brandenburgischen Kurfürsten zur Umgestaltung der Universität und sandte 1538 seinen Schwiegersohn Georg Sabinus hierher. In Frankfurt lehrten der Ehrendoktor der Universität Oxford, Daniel Ernst Jablonski, Alexander Gottlieb Baumgarten, einer der führenden Systematiker der deutschen Aufklärung und Begründer der deutschen Ästhetik sowie Professor Justus Christoph Dithmar, der erste Inhaber des Lehrstuhles für Kameralistik. Die Professoren waren lange Zeit zugleich hohe brandenburgische Beamte. Ihnen wurden diplomatische Aufgaben übertragen, sie waren Kronjuristen, Hofprediger und Leibärzte. Nicht zuletzt hatten Lehrende und Lernende der Viadrina oft entscheidenden Anteil an den Reformen in Brandenburg-Preußen.

Mit dem Abschiedsfest am 10. August 1811 endete das erste Kapitel der Frankfurter Universitätsgeschichte. Nach mehr als drei Jahrhunderten schloss die Universität in der Oderstadt ihre Pforten. Sie wurde nach Breslau überführt, wo sich die Türen für die Studenten wieder öffneten.