Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Wann begann der Buchdruck in der Stadt Frankfurt (Oder)?

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Bald nachdem gewiss war (1498), dass hier in Frankfurt, in der reichen und großen Stadt an der Oder einmal die neue Landesuniversität eröffnet werden soll, verbreitete sich diese Nachricht und ließ in den nächsten Jahren manchen den Weg nach Frankfurt einschlagen. Unter ihnen waren auch Drucker, wie der Wanderdrucker Martin Tretter. Jener druckte hier 1502 die Predigtsprüche des Straßburger Kanzelredners Johann Geiler von Kaisersberg. Mit diesem Werk wurde die Druckkunst in Frankfurt und damit zugleich in die Mark Brandenburg eingeführt.

Ein weiterer Druck aus diesem Jahr ist nur noch als Fragment überliefert. In der Universitätsbibliothek Wroclaw befindet sich ein Bruchstück einer Flugschrift gegen die Türken, die Marcus Ayrer, ein schon 1483 in Nürnberg nachgewiesener Drucker, in Frankfurt fertigte. Dieser Drucker gibt noch manches Rätsel auf. Ist er weitergezogen, weil sich die Errichtung der Universität hinzog, um 1506 – für dieses Jahr ist ein weiteres Druckwerk nachweisbar – wieder nach Frankfurt zurückzukommen? Oder blieb er und hat auch 1504 das, laut Impressum von Sebastian Johannes von Ingolstadt und Conrad von Herzogenaurach gedruckte Werk „Expositio preclarissima tractatuum“ des Petrus Hispanus gefertigt? Dieser Druck ist das erste in Frankfurt an der Oder gesetzte Werk. Magister Johann Lintholtz aus Müncheberg, ein Vertreter der scholastischen Philosophie und späterer Dekan der artistischen Fakultät der Frankfurter Universität, bearbeitete darin die Traktate des Petrus Hispanus über die Philosophie des Aristoteles.

Mit der Eröffnung der Universität begann der Buchdruck sich hier schnell zu entwickeln. Neben dem erfahrenen Konrad Baumgarten (er druckte schon 1498 in Danzig) als Universitätsdrucker existierten hier die Druckereien des Professors Ambrosius Lacher und die Gemeinschaftsdruckerei von Nicolaus Lamperter aus Basel und dem schon 1504 als Frankfurter Bürger nachweisbaren Balthasar Murrer aus Echterdingen.